Bike, Bambini & Anhänger: Vol. 1

HippHippHurra!

Darf ich vorstellen: Heute bei mir zu Gast ist Sabrina. Sabrina vom Glasatelier Feuerzeux. Sabrina, das Mami das ihr Kind im Anhänger über die Furka zieht!! Aber lest selbst:

 

Velotour en famille

Wir sind nicht besonders sportlich und kamen eher per Zufall aufs Velo, mein Freund und ich, als seine Eltern 2008 eine Velotour geplant hatten und ihre Freunde kurzfristig ausfielen. So hatten wir uns eines Abends spontan entschlossen, sie von Bern bis an den Bodensee zu begleiten. Am nächsten Morgen. Ich hatte nur ein klappriges Stadtvelo und schnallte meinen Rucksack aufs Velo der Schwiegermutter, die ihrerseits das E-Bike sattelte. Das Velofahren gefiel uns sehr gut, und als wir am Bodensee ankamen, fuhren wir kurzum zu zweit weiter Richtung Tessin, wo ich damals wohnte. Nun schliefen wir im Zelt, kochten draussen und kamen via San Bernardino ein paar Tage später in Bellinzona an.

Das Velovirus hatte uns gepackt, wir kauften uns Tourenvelos und je vier Sacochen, und planten unserer erste richtige Velotour. Irland! Knapp 4 Wochen im Sommer 2009, von Dublin in den Norden, nach Galway und zurück nach Dublin. Sportlich ist anders. Aber wir lieben es, draussen zu sein, wild zu campieren und auf dem Feuer oder dem Kocher zu kochen. Das braucht Zeit. Und ja, wir haben immer viel zu viel Gepäck dabei.

Im nachfolgenden Sommer fuhren wir der Rhône entlang ans Mittelmeer, schliefen hinter Obstplantagen, unter Brücken und wuschen uns in der Rhône, um dann im Süden noch ein paar Tage anständig auf dem Camping zu logieren.

9 Monate später waren wir zu dritt, kauften als erstes einen Veloanhänger und fuhren damit durch die nähere Umgebung. Unsere Tochter liebte den Anhänger von Anfang an, schläft meistens sofort ein wenns losgeht oder schaut verträumt der vorbeiziehenden Landschaft nach.

Unsere erste grössere Velotour zu dritt unternahmen wir 2013, als sie 2 Jahre alt war. Freunde im Tessin hatten uns eingeladen, ihre Wohnung zu hüten und wir beschlossen mehr als Witz, nach Bellinzona zu radeln. Klar, zwischen Bern und Bellinzona liegen je nach Route mehr oder weniger Pässe, und wir beschlossen, die Route möglichst kurz zu halten und visierten Grimsel – Furka – Oberalp – Lukmanier an. Hat man ja alle schon gehört, diese Namen, und vor Jahren ging das ja gar nicht so schwer, über diesen San Bernardino-Pass.

Kurz vor der Abreise, als ich doch mal die Karte mit den Höhenprofilen studierte, wurde mir etwas anders, als ich realisierte wie hoch diese Pässe sind, da wir im Alltag nur durchs Flachland pedalen. Wir planten, mit dem Postauto auf die Grimsel zu fahren und mit der Bahn auf den Oberalppass, so blieben theoretisch nur noch 2 Aufstiege und vier Abfahrten. Locker, oder?

Wir fuhren an einem sonnigen Freitag in Wabern los, suchten da und dort einen Cache, das Töchterlein pinkelte vor Aufregung in den Wagen und erbrach sich in der Nacht ins Zelt. Das Wissen, dass wir jederzeit umkehren, mit den ÖV nach Hause oder weiter könnten, war beruhigend. Am 3. Fahrtag am Morgen wollten wir dann mal telefonisch die Plätze im Postauto reservieren, aber das ging dann leider nicht. Nein, man nähme im Postauto keine Veloanhänger mit, ausgeschlossen, ausnahmslos nie. Also umkehren? Ausgeschlossen, nie! Wir waren schon so fest im Unterwegs-Modus, wir wollten es einfach probieren. Am Morgen in Innertkirchen auf dem Camping brachen wir etwas aufgeregt auf. Wir fuhren oft im Schritt-Tempo, aber die Tochter hatte eine Engelsgeduld, hörte Musik, schlief, stieg bei den Pausen freudig aus und genauso freudig wieder ein, und nach 5 oder 6 Stunden Fahrzeit waren wir auf dem Grimselpass angekommen. Rundum Schnee, eine bizarre Landschaft. Pommes und Nussgipfel, eine Nacht im Hotel, am nächsten Morgen weiter.

Ich war des Wahnsinns und beschloss, den Anhänger auch mal zu ziehen und „bezwang“ so die Furka, im Nieselregen der Wolken. Gleich weiter, es gibt ja auf diesen Pässen nicht viel zu sehen, runter nach Andermatt, und mit dem nächsten Zug auf den Oberalppass. Bei Ausstieg schon wieder Nieselregen, also gleich weiter, und dann, in Disentis, beschlossen wir, einen Tag zu verschnaufen vor dem letzten Pass.

Nach stundenlangem Fahren ist’s gut an einem Ort anzukommen, wo das Kind sich austoben kann, darum sind wir heute mehr auf Campingplätzen anzutreffen und weniger am wild campieren. Jemand stellt das Zelt auf, jemand sorgt für die Bespassung. So ähnlich lief es meistens.

Der Aufstieg auf den Lukmanier war der schönste von allen, da aufgrund des Strassenbelags die Töfffahrer eher abgehalten werden, diese Strecke zu fahren. Wir suchten nach dem Gipfel einen schönen Ort, um noch eine Nacht wild zu campieren, bevor wir tags darauf in Bellinzona einfuhren. Unsere Freunde konnten es kaum glauben. Wir irgendwie auch nicht. Das Töchterlein stürzte sich sofort auf die Spielsachen in der Wohnung und wir freuten uns auf ein paar Tage Entspannung im Süden. Und darüber, dass wir auch als Familie tolle Abenteuer erleben können.

 

Wie’s weitergeht? Erfährt ihr später, auch in diesem Blog. Denn: Bei der Bezwingung der Alpen war ich… schwanger 😉

Eure Sabrina, im Mai 2015

 

DANKE liebe Sabrina, wie ich finde, für deine spannende Geschichte. Und Chapeaux vor deiner grossartigen Leistung.
Hast du ebenfalls eine Geschichte rund ums Thema: Bike, Bus & Bambini oder so ähnlich? Ich würde mich freuen diese hier mit meinen Bloglesern zu teilen.

Ciao,
Franziska ★

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*