Hommage ans Fahrrad

Hommage ans Fahrrad

 

Hej,

eine Hommage ans Fahrrad zu schreiben brennt mir schon lange unter den Fingern. Aber warum ich diese jetzt aufs Papier bringe? Anfang Mai haben wir einige Tage in Kopenhagen verbracht. Per Zufall habe in unserer Bibliothek ein Büchlein übers Velo entdeckt.

Das eine gibt bekanntlich das andere.

In dem Büchlein geht es um die Freiheit vom Radfahren. Um das Lebensgefühl das sich einstellt wenn der Wind durchs Haar, ähm Helm, bläst, der Fahrtwind rauscht und du mit dem Speed den du mit eigener Muskelkraft aufbaust dich beinahe schweben lässt.
Und nein. Ich fahre noch kein Elektrovelo. Das werde ich erst, sollte mein Kniegelenk künstlich ersetzt werden müssen. Damit das aber nicht so rasch geschieht, trainiere ich gerne und ausdauernd.
Das Velobüchlein thematisiert die Tour. Als die Tour noch ein Volksanlass war in Frankreich. Als die wahren Helden noch den Turmalent, den Mont Ventoux oder die Alp d Huez als Sportler bezwungen haben. Jetzt ist die Tour – die Tour de France – ein Spiegel unserer Gesellschaft. Leistung, Drogen, Geld, Manipulation und um viel Macht geht es leider schon längst.

Vor vielen Jahren, 22 sind es diesen Sommer, habe ich begonnen die Tour im TV zu verfolgen. Habe mir den einen oder anderen Traum der mit der Tour de France zu tun hat in der Zwischenzeit erfühlt. Bin mal im Frühling am Mont Ventoux gewesen. Der Erinnerungsstein fährt jetzt noch im Bus mit. Wir haben in einem anderen Jahr die Tour live an der Strecke, irgendwo in den Savoyer Alpen, als Fans mitverfolgt. Ein Spektakel war das.

Radfahren gehört schon seit jeher zu mir

Ich erinnere mich noch sehr genau an den Tag als ich bei einem Grossverteiler dieses hellblaue Kinderrad sah. Meine ganze Überredungskunst habe ich eingesetzt die ich mit damals knapp 5 Jahren hatte. Bis ich am Ziel war. Das hellblaue Rad war meins! Viele weitere folgten. Ausrangierte Räder die die Bahn in der Vermietung hatten für den Schulweg, mit Kinder-Hüeti und Zeitungsausträger ersparten das erste Mondia Mountainbike, ein Rennrad, zum Geburtstag ein Dirt Bike für den Pumptrack anstelle von wöchentlichem Muki-Turnen mit dem Kleinen, eine DH-Rakete der kanadischen Kultmarke Norco, ein Fullybike das nach der ersten Fahrt schon kaputt war. So billig war das Ding. Ich weiss nicht wie viele Zweiräder es bis anhin waren – mit Sicherheit aber viele. Jetzt stehen in meinem Keller eins, zwei, drei, vier Räder, nein 5 die mir gehören.

Übrigens, Kopenhagen hat 570‘000 Einwohner und etwa 650‘000 Räder sind im Verkehr. Also!

Mein Büchlein, das von der Bibliothek, berichtet ebenfalls vom Fortbewegungsmittel Nummer 1 der Dänen. Dem Velo. Und wisst ihr was uns das so richtig aufgefallen ist? Kaum jemand war mit dem Telefon vor dem Gesicht unterwegs oder im Restaurant. Herrlich entspannend war dieser Anblick. Das kleine Büchlein umschreibt dies mit dem Glück das die Kopenhagener durch die Bewegung und den VeloFlow bekommen. Den Zwang wie wir ihn kennen an Austausch und Info sucht durch die Sozialen Medien ist nicht da. Und schlank waren die. MannMannMann. Dies wird aber nicht einzig und alleine am Radfahren liegen, sondern auch am teuren Essen.

Meine Hommage ans Fahrrad darf ein bisschen Philosophisch sein.

Und ein bisschen Wirtschaftlich

23cent beträgt der gesellschaftliche Nutzen jedes geradelten Kilometers, so rechnen die Planer in Kopenhagen. Weil das Radeln die Gesundheit fördert und weil es umweltfreundlich ist. Völlig anders sieht die Rechnung fürs Auto aus: jeder gefahrene Kilometer koste die Gesellschaft 85 Cent. Das stand kürzlich in der Wiener Post. Nebst Amsterdam ist Malmö und Lubijana ebenfalls noch auf der Liste der Top-Fahrrad-Städte. Der Autoboom der Nachkriegszeit darf sich hier ein bisschen zurück nehmen und den modernen Städtern, den Hipstern, ein bisschen Platz machen. Es ist ja nicht so, dass wer Rad fährt kein Geld ausgibt. Die Stadträder dürfen cool aussehen, die Helme sollen zum Style passen und ab und an einen Service am Velo spült Geld in die Kasse des Bikegeschäfte. Ob es nun eine Autobude ist oder die 2Rad Industrie die Geld macht, spielt wirtschaftlich gesehen ja wohl kaum eine allzu grosse Rolle. Hauptsache das Geld ist im Fluss und wird ausgegeben.

Das kleine Büchlein, übrigens geschrieben von Marc Augé heisst „Lob des Fahrrads“. Ein tolles Geschenk für einen velobegeisterten Freund oder einfach für dich selber.
Klar, Herr Augé ist ein bisschen älter als ich. Und die Erscheinung des Buches war bevor der ganze Terror und Weltfrieden soweit auseinander liegen, wie schon lange nicht mehr. Trotzdem und vielleicht genau deshalb, weil die Welt wackelt hat es mir „Lob des Fahrrads“ so aus dem Herzen gesprochen. Wünsche ich mir doch, seit ich ein kleines Kind bin, als der Jugoslawien Krieg so nah bei uns war, einfach nur Frieden und eine gute Zeit mit den Menschen die ich um mich haben darf.

Und wenn es dich jetzt unter den Nägeln brennt und du sofort losfahren möchtest – hier in meinem Blog in der Rubrik „unterwegs“ – findest du den einen oder anderen Velotipp!

In dem Sinne:

Happy Trails!

 

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